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Mittwoch, 15. Juli 2009

Gregory Schneider zum Executive Vice President der Claims Conference ernannt

Zusätzliche Mittel für NS-Opfer genießen erste Priorität

Gregory Schneider wurde zum neuen Executive Vice President der Claims Conference ernannt. Julius Berman, Vorstandsvorsitzender der Claims Conference, teilte mit, dass das Direktorium der Claims Conference einstimmig der Empfehlung der Findungskommission gefolgt sei. Gregory Schneider nahm die Wahl an und skizzierte die aktuellen Prioritäten und künftigen Aufgaben der Organisation. Er hob dabei die Verpflichtung hervor, für den wachsenden Bedarf der NS-Opfer im Bereich Sozialfürsorge Sorge zu tragen und denjenigen NS-Opfern, die bis heute unentschädigt geblieben sind, zu einer materiellen Anerkennung ihres Leids zu verhelfen.

„ Ich bin überzeugt davon, dass Herr Schneider ein vorbildlicher Executive Vice President sein wird, in der Mitarbeiterführung wie in der Entwicklung der Aufgaben, die noch vor uns liegen, und damit die Tradition einer führungsstarken Exekutive fortsetzen wird, sagte Julius Berman. „Seine Empathie, mit der er sich in den Dienst für die jüdischen NS-Opfern stellt, gilt ohne jede Einschränkung. Seine Energie und sein Engagement haben dazu geführt, dass Hunderttausende von ihnen Entschädigungsleistungen erhalten haben und dass bahnbrechende Sozialfürsorgeprojekte in mehr als 40 Ländern umgesetzt werden konnten. Das Direktorium schätzt einhellig und nachdrücklich Gregory Schneiders Weitsicht, seinen Intellekt und seine Kreativität.“

„Es ist mir eine Ehre, einen Beitrag zur Erfüllung der Mission der Claims Conference leisten zu können, einer Organisation, deren Aufgabe in der jüdischen Geschichte ohne Beispiel ist. Heute 70 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und 58 Jahre nach Gründung der Claims Conference liegt immer noch viel Arbeit vor uns. Noch immer gibt es NS-Opfer, die noch keine materielle Anerkennung erfahren haben und Zehntausende von ihnen haben einen wachsenden Bedarf an häuslicher Pflege und an medizinischer Versorgung“, sagte Gregory Schneider. Immer noch erhalten jüdische NS-Opfer aufgrund ihrer prekären finanziellen Lage nicht die notwendige Fürsorge, derer sie bedürfen. Ich kann nicht hinnehmen, dass Opfer die ihre Jugend in Lagern, Ghettos, im Versteck oder auf der Flucht vor der Verfolgung verbringen mussten, heute nicht die bestmögliche Fürsorge im Alter erhalten.“

Seit einigen Jahren verhandelt die Claims Conference mit der Bundesregierung über die Bereitstellung von Finanzmitteln für den wachsenden Bedarf von NS-Opfern an häuslicher Pflege. Seit 2004 hat die Bundesregierung insgesamt 88,5 Millionen Euro für die häusliche Pflege von betagten NS-Opfern zur Verfügung gestellt. Bei den Verhandlungen im März 2009 wurden der Claims Conference 7,5 Millionen Euro für das erste Quartal 2010 zugesichert. Eine weitere Verhandlungsrunde außerhalb des Turnus wird Ende 2009 stattfinden, um mit der deutschen Regierung den dringlichen Bedarf der NS-Opfer an häuslicher Pflege zu erörtern. Die Claims Conference wird bei der Gelegenheit auch die Problematik steigender Kosten bei der medizinischen Versorgung vortragen, mit der sich NS-Opfer insbesondere in den Ländern Osteuropas konfrontiert sehen, wo es nur unzureichende oder gar keine sozialen Netze gibt.

Die Claims Conference wird darüber hinaus auch weiterhin auf die Liberalisierung und Erweiterung der Berechtigungskriterien in den Entschädigungsprogrammen für NS-Opfer dringen. Die Verhandlungen der Claims Conference haben in den vergangenen Jahren zu Zehntausenden von Auszahlungen an NS-Opfer geführt, die anderweitig nichts erhalten hätten.

Auf der Prager Konferenz über Vermögenswerte, die während des Holocaust geraubt wurden, war der Fokus auf die immer noch fehlende Restitutionsgesetzgebung in den Ländern Osteuropas gerichtet. Gemeinsam mit der World Jewish Restitution Organisation wird die Claims Conference ihre Anstrengungen intensivieren und auf die Rückgabe von gestohlenen jüdischen Vermögenswerten dringen.

Eine Findungskommission war einberufen worden, um eine geeignete Person für das Amt des Executive Vice President der Claims Conference zu suchen; sie kam mehrfach zusammen, um zunächst ein Anforderungsprofil für die Position zu erstellen und anschließend die eingegangenen Bewerbungen auszuwerten. Insgesamt reichten 73 Personen ihre Bewerbungen ein.

Nach verschiedenen Vorstellungsgesprächen mit anschließender Beratung und Aussprache, hatte die Findungskommission einstimmig beschlossen, dem Direktorium auf seiner Jahressitzung 2009 Gregory Schneider zur Wahl in das Amt des Executive Vice President zu empfehlen.

Die Kommission hob das große Erfahrungspotential hervor, das Herr Schneider während seiner 14jährigen Arbeit für die Claims Conference, zuletzt in der Position des Chief Operating Officers, gesammelt hat. Zu den vielen unschätzbaren Verdiensten für die Organisation gehörte die Konzipierung und Umsetzung des Programms für ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter, das im Ergebnis die Auszahlung von 1,4 Milliarden US$ an 174.000 Holocaust-Überlebende in 87 Ländern ermöglichte. Das Programm beinhaltete die Verteilung und Bearbeitung von Anträgen in acht Sprachen, die Zusammenarbeit mit hunderten lokalen Organisationen in aller Welt, die Hilfe bei der Antragstellung und der Dokumentation von Zehntausenden von Anträgen geleistet haben, die andernfalls nicht positiv hätten entschieden werden können.

Seit Beginn seiner Arbeit für die Claims Conference im Jahr 1995 war Gregory Schneider auch zuständig für die Förderprogramme und hat die Progression des Fördervolumens zugunsten von NS-Opfern von damals 90 Millionen US$ im Jahr in 24 Ländern auf 190 Millionen US$ in 43 Ländern im Jahr 2009 ermöglicht. Seine Empathie für die sozialen Bedürfnisse von betagten NS-Opfern hat wesentlich zur Entwicklung der Förderprogramme beigetragen, in deren Rahmen Pionierarbeit in der Sozialfürsorge für NS-Opfer in aller Welt geleistet wurde.