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Kunst- und Kulturgüter – Restitution und Entschädigung

 

Die von Claims Conference und WJRO initiierten Aktivitäten umfassen:

 

  • Recherchen zur Geschichte und zum aktuellen Stand der Restitution von geraubten Kunst- und Kulturgütern in den betroffenen Ländern: Bisher wurden Recherchemaßnahmen in folgenden Staaten aufgenommen: Argentinien, Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kanada, Kroatien, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Russische Föderation, Schweden, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweiz, Südafrika, Tschechische Republik, Ukraine, Ungarn und den Vereinigten Staaten von Amerika. Für Judaica werden weltweit Recherchen angestellt.  

  • Gesprächsaufnahme mit den betroffenen jüdischen Gemeinden noch vor der Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Regierungen: Bisher kontaktiert wurden zum Thema die jüdischen Gemeinden in Argentinien, Australien, Belgien, Bosnien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kanada, Kroatien, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Russische Föderation, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Tschechische Republik, Ukraine und Ungarn.  

  • Kontaktaufnahme zu den Regierungen der jeweiligen Länder bezüglich der Provenienzrecherche und Verfahrensregeln für die Bearbeitung von Ansprüchen und als besonderer Punkt die Problematik bestehender Ausschlussfristen für NS-Raubkunst. Bisher wurden Gespräche mit folgenden Staaten aufgenommen: Argentinien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn. Darüber hinaus besteht ein ständiger Austausch mit den Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Vereinigten Staaten. Gespräche zum Thema finden auch mit der israelischen Regierung statt.

 

Spezifische Beispiele für die Aktivitäten von Claims Conference/WJRO:

 

Dänemark: Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde in Dänemark sind Claims Conference und WJRO mit dem dänischen Ministerium für Kultur zusammengetroffen. Das Ministerium hat zugesagt, eine auf Veranlassung des dänischen Parlaments vor einigen Jahren durchgeführte Untersuchung der Sammlungsbestände der staatlichen Institutionen zu veröffentlichen. Ferner soll eine Datenbank über die dänischen Sammlungsbestände mit Provenienzangaben veröffentlicht werden und die Museen, Archive und Bibliotheken ermutigt werden, weitere Provenienzrecherche durchzuführen.

Deutschland: Am 28. März 2007 fand ein Experten-Hearing vor dem Ausschuss für Kultur und Medien des Bundestags statt, bei dem sich die Claims Conference erfolgreich für die Fortsetzung der deutschen Restitutionspolitik in Bezug auf geraubte Kunst- und Kulturgüter eingesetzt hat. So ist die deutsche Regierung neben der Bestätigung der Prinzipien der Washingtoner Konferenz nunmehr bereit, weitere Provenienzforschung zu fördern. Ein neues Büro für Provenienzrecherche wurde unter dem Dach des Instituts für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin eingerichtet und von Regierungsseite mit einem Etat von mindestens einer Million Euro im Jahr bis einschließlich 2010 ausgestattet.

Finnland: Gemeinsam mit dem Zentralrat der Jüdischen Gemeinden in Finnland fand im Dezember 2007 ein Treffen mit dem finnischen Ministerium für Kultur und den Repräsentanten der wichtigsten Kunstmuseen statt. Das Ministerium sagte zu, Informationen über Kunstwerke in finnischen Sammlungen, deren Provenienz lückenhaft ist, online zu stellen. Damit wird dem Ergebnis der bereits durchgeührten Provenienzforschung Rechnung getragen, wonach sich möglicherweise Hunderte von geraubten Kunstwerken im Land befinden.

Island: Auf Drängen der Claims Conference hat das Ministerium für Kultur das Isländische Nationalmuseum, die Isländische Nationalgalerie, die Isländischen Nationalarchive sowie die Isländische Nationalbibliothek schriftlich aufgefordert, ihre Sammlungen zu untersuchen. Ferner wurde der Isländische Museumsrat angeschrieben und aufgefordert, dasselbe Anliegen an alle Mitgliedsinstitutionen zu richten. Das Ministerium hat zugesagt, die Claims Conference über die weitere Entwicklung zu unterrichten.

Kanada: In Zusammenarbeit mit dem Canadian Jewish Congress haben Claims Conference und WJRO die wichtigsten Kunstinstitutionen Kanadas und das staatliche Department of Canadian Heritage im Dezember 2006 zusammengebracht, um die Fortschritte in der Provenienzforschung zu prüfen und zugleich die sachgerechte Streuung der Informationen zu planen.

Niederlande: Gemeinsam mit dem Centraal Joods Overleg (CJO) in den Niederlanden haben Claims Conference und WJRO das holländische Ministerium für Erziehung, Kultur und Wissenschaft aufgefordert, die bestehende Frist für Ansprüche auf Kunstwerke in öffentlichem Besitz abzuschaffen. Den gemeinsamen Anstrengungen von Claims Conference, WJRO und CJO folgend hat der niederländische Minister für Erziehung, Kultur und Wissenschaft, Ronald Plasterk, am 3. April 2007 dem holländischen Parlament schriftlich mitgeteilt, dass auch weiterhin Restitutionsanträge auf Kunstwerke in niederländischem Staatsbesitz gestellt werden können; auch wenn die aktive Suche nach den ursprünglichen Eigentümern (und deren Erben) in den Sammlungsbeständen der Nederlands Kunstbezit-collectie am 4. April 2007 eingestellt wurde.

Norwegen: Claims Conference und WJRO sind im Dezember 2007 mit der norwegischen Behörde für Archive, Bibliotheken und Museen zusammengetroffen. In Norwegen war die historische Forschung nach Kulturgütern Teil der Arbeit des Norwegischen Ausschusses für Restitution in den späten 90er Jahren. Diese Arbeit ist abgeschlossen ebenso wie die Entschädigung für die Enteignung der norwegischen Juden, einschließlich Kunst- und Kulturgütern. Gegenstand der Gespräche war deshalb Kunst- und Kulturgut, das Juden in Deutschland geraubt worden war und das zwischen 1933 und heute nach Norwegen gelangte. Die norwegische Behörde für Archive, Bibliotheken und Museen wird dem Raubkunst in Norwegen ein Kapitel auf ihrer Website einräumen und an das Museumspersonal appellieren, die Maßgaben gegen gesetzeswidrigen Kunsthandel bei ihrer Arbeit sorgsam zu beachten.

Österreich: Die Claims Conference hat Österreich über Jahrzehnte hinweg mit dem Thema NS-Raubkunst konfrontiert. Im Oktober 2006 schließlich hat der Österreichische Nationalfonds eine erste Liste mit Kunstwerken, die vermutlich während der NS-Zeit geraubt wurden und die sich heute in österreichischen Museen und in öffentlichen Sammlungen befinden, mittels einer forschungstauglichen Datei online gestellt. Damit wurde es NS-Opfer und deren Erben ermöglicht, nach Kunstwerken zu fahnden, die während des Holocaust gestohlen wurden. Das Büro der Claims Conference in Österreich pflegt regelmäßige Treffen mit dem Restitutionsausschuss und dem Ministerium für Kunst und Kultur.

Schweden: Ein Treffen mit Vertretern des schwedischen Ministeriums für Kultur im September 2007 resultierte in der Zusage, die Ergebnisse bisheriger Provenienzforschung zu veröffentlichen, eine Untersuchung der schwedischen Museumsbestände zu projektieren und die Museen in Schweden dazu anzuhalten, ihre Sammlungen zu überprüfen und die Ergebnisse im Internet zugänglich zu machen. Angesichts des ersten Anspruchs auf ein Kunstwerk in einem staatlichen schwedischen Museum wurden ferner Gespräche über geeignete Verfahren geführt.

Schweiz: Im Februar 2007 trafen Vertreter von Claims Conference und WJRO mit der Schweizer Bundesregierung zusammen, um die Fortschritte bei der Provenienzrecherche zu überprüfen und die Anforderungen für eine Streuung der Informationen auf Bundes- und Kantonslevel zu erörtern. Dies hat zu Untersuchungen in allen betroffenen Museen in der Schweiz geführt, die Ende 2008 verfügbar sein soll.

Slowakei: Im Juni 2007 trafen WJRO und die Zentralunion der Jüdischen Gemeinden in der Slowakei (UZZNO) eine Vereinbarung mit dem slowakischen Ministerium für Kultur über die Veröffentlichung einer Studie über durchgeführte Provenienzrecherchen. Das Abkommen beinhaltet ferner die kontinuierliche Fortsetzung der Provenienzforschung durch die slowakischen Museen und die Einrichtung einer Datenbank zu Judaica in der Slowakei. Die Gespräche über die Datenbank für Judaica werden fortgesetzt. Zwecks weiterer Informationen klicken Sie bitte http://www.culture.gov.sk.

Spanien: Auf Bitten des spanischen Außenministeriums haben Claims Conference und WJRO der spanischen Regierung Informationen über Provenienzrecherche und die bestehende Praxis in anderen Länder zu Verfügung gestellt. Diese Informationen sind Teil laufender Gespräche über die künftigen Schritte in Bezug auf Kunst- und Kulturgüter in spanischen Museen.

Südafrika: Die jüdische Gemeinschaft in Südafrika hat sich bereit erklärt, die Sammlung des Jüdischen Museums in Kapstadt zu untersuchen, da bekannt ist, dass eine Anzahl von Kultgegenständen, die während des Zweiten Weltkriegs geraubt wurden, nach dem Krieg über die Jewish Cultural Reconstruction (JCR) in die Sammlung des Museums gelangten.

Tschechische Republik: In Zusammenarbeit mit der Föderation Jüdischer Gemeinden in der Tschechischen Republik haben Claims Conference und WJRO das tschechische Parlament davon überzeugen können, die für Ansprüche auf geraubte Kunst- und Kulturgüter geltende Frist vom 31. Dezember 2006 abzuschaffen. Nach der neuen gesetzlichen Regelung, die vom Parlament verabschiedet und von Präsident Václav Klaus unterzeichnet wurde, verfallen Ansprüche nicht. Nach Eingaben der Claims Conference und der WJRO hat die tschechische Regierung zugesagt, das „Zentrum zur Dokumentation des Eigentumstransfers von Kulturgütern während des Zweiten Weltkriegs“ in den nächsten fünf Jahren weiter zu finanzieren. Aufgaben des Zentrums sind Provenienzrecherche und die Lokalisierung von NS-Raubkunst.

Vereinigte Staaten von Amerika: Claims Conference und WJRO haben am 25 Juli 2006 die Ergebnisse der Befragung zum Thema „NS-Raubkunst und US-Museen“ veröffentlicht, die an 332 Kunstmuseen verschickt wurde und mittels derer Informationen über bisher durchgeführte Provenienzforschung, die Anwendung der Washingtoner Prinzipien und die Beteiligung am Internetportal der American Association of Museums (AAM) zum Thema NS-Raubkunst erhoben wurden. Ferner nahmen Claims Conference und WJRO an einem Hearing des US-Repräsentantenhauses teil. Das Hearing im Ausschuss für Financial Services, Domestic and International Monetary Policy am 27. Juli 2006 führte zu einem Appell an die amerikanischen Museen, in stärkerem Maße Provenienzforschung durchzuführen, zu höheren Budgets für Provenienzrecherche und zu einer Verschärfung und größeren Verbreitung der Richtlinien für den Kunsthandel durch die Art Dealers Association of America.

Association of European Jewish Museums (AEJM), Council of American Jewish Museums (CAJM), und Association of Jewish Libraries (AJL): Claims Conference und WJRO haben gemeinsam mit der AEJM und dem CAJM darauf hingewirkt, dass sich alle jüdischen Museen an der Provenienzrecherche und Restitutionsanstrengungen beteiligen. Bei ihrem Jahrestreffen im November 2006 hat die AEJM eine entsprechende Erklärung angenommen. Bei seinem Treffen im Januar 2007 hat der CAJM eine diesbezügliche Resolution verabschiedet, die auf der Website der Claims Conference eingestellt ist. Beide Organisationen planen darüber hinaus im kommenden Jahr Treffen und Arbeitsgruppen zum Thema Provenienzrecherche. Unlängst haben Claims Conference und WJRO die AJL aufgefordert, eine vergleichbare Resolution zu verabschieden, um sicher zu gehen, dass auch die jüdischen Bibliotheken und Archive umfänglich beteiligt sind.

Virtuelle Rekonstruktion der Akten des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg (ERR): Claims Conference und WJRO kompilieren und scannen derzeit Hunderttausende von Dokumenten des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg (ERR) mit dem Ziel, die Dokumente zugänglich zu machen. Der Einsatzstab Rosenberg war der größte Umschlagsplatz für NS-Raubkunst. Die Akten des ERR liegen verstreut in einer Vielzahl von Archiven in aller Welt, u.a. in Kiew, Moskau, Berlin, Koblenz, Paris, Amsterdam, Vilnius, New York und Washington. Zwischen 2006 und 2007 wurde das Scannen der ERR-Akten, die sich im Staatsarchiv der Ukraine befinden (137.000 Seiten) abgeschlossen. Derzeit sind die Dokumente mit Genehmigung der Claims Conference auf Mikrofilm verfügbar, herausgegeben von Primary Source Media, die zum Gale Verlag gehören (s. http//gale.cengage.com/psm/). Möglicherweise werden diese scans mit denen aus anderen Archiven zusammengeführt, elektronisch gespeichert und mittels eines Findbuchs erschlossen. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bundesarchiv wurde im Juni 2007 unterzeichnet und die Verhandlungen mit den jeweiligen Ländern gehen voran. Mit dem Scannen von Dokumenten einschließlich der ERR-Fotothek in Berlin und Koblenz wurde bereits begonnen. Allein die Fotothek umfasst mehrere Zehntausend Fotos von Kunstwerken, die in Frankreich geraubt wurden und ins Jeu de Paume verbracht wurden. Diese Fotos werden in eine spezielle nutzerfreundliche Datenbank eingegeben, die es potentiellen Antragstellern und der Fachwelt ermöglichen soll, geraubte Kunstwerke, Bücher und Archivalien zu identifizieren.