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"Arbeitsfähige" Frauen in Auschwitz. Foto: Yad Vashem

Programm für ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter

Bitte beachten Sie: Das Programm ist geschlossen!

Die Zahlungen waren bedeutsames Ergebnis und Höhepunkt nach Jahren eindringlicher Appelle an die deutsche und schweizerische Regierungen und Unternehmen, sich zu ihrer Verantwortung für den Einsatz von Sklaven- und Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs zu bekennen.

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Dr. Karl Brozik überreicht im Juni 2001 den ersten Scheck im Rahmen der Entschädigungszahlungen an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter

Die Claims Conference startete das Programm für ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter im Jahr 2000, nachdem die Bundesregierung und die deutsche Industrie sich bereit erklärt hatten, einen Fonds über 10 Milliarden DM aufzulegen, um ehemalige NS-Zwangsarbeiter zu entschädigen. Die Claims Conference war einer der Hauptakteure bei den langwierigen Verhandlungen, die schließlich zu dem Abkommen führten.

Das Programm war das aufwändigste, das die Claims Conference bis heute administriert hat; es hat hinsichtlich der Technologie, des Personalstamms, aber auch hinsichtlich der internationalen Koordinierung Dimensionen erreicht, wie sie die Organisation in den ersten 50 Jahren ihres Bestehens nicht gekannt hatte. Der große Betrag, der zur Verteilung anstand, die relativ knappe Antragsfrist und das fortgeschrittene Alter der Holocaust-Überlebenden – all das führte dazu, dass das Programm unter hohem Zeitdruck durchgeführt werden musste.

Die Zahlungen waren bedeutsames Ergebnis und Höhepunkt nach Jahren eindringlicher Appelle an die deutschen und schweizerischen Regierungen und Unternehmen, sich zu ihrer Verantwortung für den Einsatz von Sklaven- und Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs zu bekennen wie auch zu den Gewinnen, die sie aus der Arbeit der Opfer geschöpft hatten. Damit standen Geldmittel standen aus zwei Quellen zur Verfügung:

  • Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
    Der mit zehn Milliarden DM ausgestattete Fond wurde im Juli 2000 eingerichtet nach langwierigen Verhandlungen, an denen die Regierungen der USA, Deutschlands, Israels und verschiedener osteuropäischer Länder wie auch die Claims Conference und die Klägeranwälte beteiligt waren. Die Claims Conference agierte als eine der sieben Partnerorganisationen der Bundesstiftung und war zuständig für die Bekanntmachung, Antragsbearbeitung und Auszahlung an berechtigte jüdische Überlebende sowie bestimmte Erben in fast allen Ländern der Welt. Der weitaus größte Teil der Mittel war für nichtjüdische Sklaven- und Zwangsarbeiter bestimmt; nur etwa zehn Prozent der Personen, die eine Leistung erhalten haben, waren Juden. Insgesamt hat die Claims Conference Zahlungen an 146.513 Holocaust-Überlebende und 20.003 Sonderrechtsnachfolger durchgeführt und damit eine Gesamtsumme von rund 1,2 Milliarden US $ aus dem Plafonds der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ verteilt.

  • Schweizer Bankenvergleich
    Die Vereinbarung über 1,25 Milliarden US $ wurde im US-Bezirksgericht unter Vorsitz von Richter Edward R. Korman in New York getroffen und ermöglichte Zahlungen an jüdische wie nicht-jüdische Sklaven- und Zwangsarbeiter als Entschädigungsleistung für die Profite die Schweizer Banken aus den Transaktionen mit Nazi-Deutschland geschlagen hatten. Nach dem vom Sonderbeauftragten Judah Gribetz entworfenen und vom Gericht am 22. November 2000 genehmigten Verteilungsplan war die Claims Conference verantwortlich für die Antragsbearbeitung und Auszahlung berechtigter jüdischer Überlebender und bestimmter Erben in aller Welt. Jeder Überlebende, der eine Leistung von der Bundesstiftung für Sklaven- oder Zwangsarbeit durch die Claims Conference erhalten hatte, war berechtigt, eine Zusatzzahlung nach dem Schweizer Bankenvergleich zu beziehen. Ein neuer Antrag war dafür nicht nötig. Insgesamt konnte an 173.926 Überlebende und bestimmte Erben die Gesamtsumme von 252 Millionen US $ nach dem Schweizer Bankenvergleich ausgezahlt werden.

In beiden Programmen wurden Zahlungen in mehr als 75 Länder durchgeführt.

Die Aktivitäten der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ sind heute auf den gleichnamigen  Fonds fokussiert, der ebenfalls im Zuge der internationalen Verhandlungen vereinbart wurde. Dieser Fonds wurde mit einem Kapital von 700 Millionen DM ausgestattet. Mit den erwirtschafteten Zinsen werden Projekte im Rahmen sorgfältig abgewogenen Handlungsfeldern, die wiederum in spezifizierte Förderprogramme unterteilt sind, realisiert. Die Handlungsfelder sind:

•    Auseinandersetzung mit der Geschichte
•    Humanitäres Engagement für Opfer des Nationalsozialismus
•    Handeln für Demokratie und Menschenrechte

Derzeit steht ein Fördervolumen von rund acht Millionen € im Jahr zur Verfügung.

Die Claims Conference ist im Kuratorium der Bundesstiftung mit einem Sitz vertreten. Sie setzt sich vor allem dafür ein, dass die Förderziele der Stiftung dem ursprünglichen Stiftungszweck und seinem historischen Hintergrund verpflichtet bleiben. Als Interessenvertretung der Holocaust-Überlebenden sieht sie auch in der Ausrichtung humanitärer Projekte für die hoch betagten NS-Opfer eine deutliche Priorität.